DER KRITIKER DER ZIVILISATION

Von dem Moment an, als Hamsun um 1890 in der literarischen Szene auftauchte, beschäftigte er sich mit dem komplexen und sensiblen spirituellen Leben des modernen Menschen.

Das Tempo der neuen Ära entfremdet den Menschen und führt zu Disharmonie. Doch der junge Hamsun will weder die Gesellschaft reformieren noch Wahrheiten predigen: Er will das Flüstern des Blutes und das Gebet der Knochen, das gesamte unbewusste Leben der Seele, darstellen.

Nach 1912 wandte sich Hamsun verstärkt sozialkritischen Themen zu, mit einem größeren Figurenensemble und klareren epischen Erzählsträngen. Er beschäftigte sich weiterhin mit den Themen der Moderne: Rastlosigkeit, Fortschritt, der neue Zeitgeist. Traditionelle Lebensweisen und Werte waren verfallen. Die Menschen entwurzelten sich, zogen in die Städte und füllten ihr Leben mit nutzlosem Wissen und Konserven.

In Hamsuns Zivilisationskritik verschmelzen existenzielle und soziale Fragen. Hinter der Illusion des modernen Lebens sucht er nach einer wahrhaftigeren, ursprünglicheren Lebensweise. Doch seine Kritik an der modernen Gesellschaft ist nicht eindeutig. Auch die Romanfiguren – wie Hamsun selbst – sind von der Dynamik des modernen Lebens fasziniert.

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