POLITIK

Fredrik betrat das Wohnzimmer etwas blasser als sonst, etwas müde von der anstrengenden Arbeit an den politischen Artikeln. Diese Arbeit hatte ihn weit mehr Mühe gekostet als all seine wissenschaftlichen Dissertationen. Er war kein Politiker, er hatte sich nie besonders für Politik interessiert. Wenn die Linke dies und die Rechte das behauptete, konnte es nicht anders sein, aber die Rechte hatte Recht, so spürte er das insgeheim, obwohl er stets zu sagen pflegte, dass er auch die Opposition der Linken durchaus nachvollziehen konnte. (Redakteur Lynge, 1893)

Hamsun war ein leidenschaftlicher Debattierer und Polemiker.

Bereits 1889 veröffentlichte er eine Reihe kritischer Artikel über den Priester, Politiker und Journalisten Lars Oftedal. 1902 stellte sich Hamsun gegen Bjørnson, den er ansonsten sehr bewunderte, als dieser sich öffentlich zur Koalitionspartei bekannte. 1915 beteiligte sich Hamsun an einer ausführlichen Polemik in der sogenannten „Kindermorddebatte“. Sigrid Undset vermutete, dass die steigende Zahl von Kindstötungen auf soziale Probleme zurückzuführen sei. Hamsun hingegen plädierte für abschreckende Strafen. 1936 beteiligte sich Hamsun an einer Debatte darüber, ob der deutsche Pazifist Carl von Ozzietsky den Friedensnobelpreis verdiente, während er während des Krieges zahlreiche politische Artikel verfasste, in denen er für Deutschland warb. Teile dieses Materials trugen zu seiner Verurteilung wegen Hochverrats bei.

Spuren dieses politischen Engagements finden sich an mehreren Stellen in seinem Werk. Der Roman „Ny jord“ (1893) schildert die Spaltung der Liberalen Partei. Die „Kinderkriegsdebatte“ findet sich in „Markens grøde “ (1917) in der Darstellung der Verbrechen von Inger und Barbro wieder.

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