DIE MODERNE ZEIT
In unserem Land ist ein neuer, anderer Geist eingekehrt. Nicht nur der Bauer arbeitet mehr denn je mit den Händen in den Taschen, sondern alle, die gesamte Bevölkerung. Der Handwerker, der Tagelöhner, die Magd – sie alle haben sich einer rüden Gleichgültigkeit gegenüber Versprechen, Abmachungen und Pflichten hingegeben, die in früheren Zeiten unbekannt und undenkbar war. („Ein Wort an uns“, 1910)
Für Hamsun war die Moderne gleichbedeutend mit dem Aufstieg der Großstadt und der Industrialisierung, auf Kosten der Landwirtschaft.
In Amerika stieß er auf viele Werte der Moderne, die er ablehnte, wie etwa Hektik und Oberflächlichkeit. In dem Essay „Festina lente“ (1928) schildert er diese negativen Werte und pries die Ruhe und Harmonie des Orients als Ideal.
Parallel zu Hamsuns Skepsis gegenüber der Moderne faszinierten ihn technische Neuerungen als Privatperson. Er selbst führte auf dem Bauernhof Nørholm frühzeitig moderne Geräte ein. Er war der Erste in der Gemeinde Eide, der sich ein Auto kaufte. Er besaß selbst keinen Führerschein; seine Frau Marie fuhr, während Hamsun ihn zu immer höheren Geschwindigkeiten anspornte.