NINA FRANG HØYUM: HAMSUNS LEBEN UND AUTORITÄT

Der Ort, aus dem man kommt, ist immer schön; er ist im Kleinen ein Gefühl von Heimat, ein Gefühl von Geborgenheit. (Knut Hamsun, 1918)

Knut Hamsun wurde am 4. August 1859 als Knud Pedersen in Gudbrandsdalen geboren. Drei Jahre später zog die Familie nach Hamarøy in Nordland. Hamarøy wurde Hamsuns Heimat. Hier wuchs er auf, und hier entwickelte sich sein Heimatgefühl – ein bescheidener Patriotismus.

Hamsun verließ Nordland im Alter von zwanzig Jahren, kehrte aber als etablierter Schriftsteller nach Hamarøy zurück und lebte von 1911 bis 1917 eine Zeit lang mit seiner Frau Marie und seinen Kindern auf dem Bauernhof Skogheim. Die Landschaft und die Umgebung von Nordland wurden zur Quelle einer langen Reihe von Geschichten.

EINER DER ERSTEN EUROPÄISCHEN MODERNISTEN

Doch Hamsun war ein Wanderer auf Erden. Mit seinem literarischen Streben nach dem Unbewussten, nach den „Wanderungen des Denkens und Fühlens im Blauen“, sollte er zu einem der ersten großen Modernisten der europäischen Literaturgeschichte aufsteigen.

Hunger
Sein literarischer Durchbruch gelang ihm 1890 mit dem Roman „Hunger“ – ein Buch, das viele als eines der wichtigsten Werke der norwegischen und europäischen Literaturgeschichte betrachten.

Immer noch in Bewegung
Hamsuns literarische Figuren irren rastlos durchs Leben – existentiell, sozial, geografisch. Der Wanderer ist ein zentrales Motiv in seinen Werken und vielleicht einer der deutlichsten Ausdrucksformen von Hamsuns Modernität.

Auch Hamsun selbst war ständig unterwegs; aus Notwendigkeit oder aus Abenteuerlust, seine Wurzeln stets im Gepäck. Obwohl seine Heimat eine große Inspirationsquelle war, von Pan (1894) bis På jengrodde stier (1949), waren es ebenso oft die Reisen ins Ausland – nach Kopenhagen, Kristiania, Amerika, in den Kaukasus –, die ihn künstlerisch produktiv machten.

Der Bauer Hamsun
Manchmal wurde aus dem Vagabunden einfach nur ein Bauer. 1920 erhielt Hamsun den Nobelpreis für Literatur für „Die Ernte des Feldes“, einen Schöpfungsmythos und eine Zivilisationskritik, die bei ihrer Veröffentlichung als Friedensbotschaft gelesen wurde, in der die Menschen in Reinheit und Harmonie mit der Natur leben.

Deutschland und der Krieg
In mehreren Artikeln vor und während des Zweiten Weltkriegs unterstützte Hamsun die Nationalversammlung und die deutschen Besatzungstruppen in Norwegen. Im Rahmen eines Vergleichs nach dem Krieg wurde er zur Zahlung einer Entschädigung in Höhe von 325.000 Kronen verurteilt. Noch schlimmer für Hamsun war jedoch, dass er, um einem Prozess zu entgehen, zunächst in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden war, wo man ihm „dauerhafte geistige Beeinträchtigung“ bescheinigte.

Debatte über die Rolle des Künstlers
Hamsuns Sympathie für die Besatzungsmacht während des Krieges hat ihn lange zu einer nationalen, kulturellen Traumatisierung gemacht. Seine Bedeutung liegt daher nicht nur in seiner Größe als Künstler, sondern auch darin, dass er der Öffentlichkeit eine fortwährende Debatte über das Verhältnis von Fiktion und Gesellschaft, über die Rolle der Kunst und des Künstlers ermöglicht.

Literarischer Einfluss
Hamsun übte einen enormen Einfluss auf die europäische und amerikanische Literatur aus; Thomas Mann, Hermann Hesse, Franz Kafka, Ernest Hemingway und Isaac Bashevis Singer gehören zu denen, die ihre Dankbarkeit gegenüber Hamsuns Werk zum Ausdruck gebracht haben.

Hamsun gilt heute als einer der bedeutendsten Schriftsteller des späten 19. Jahrhunderts. Seine einfühlsamen Darstellungen der Liebe, seine Vitalität und Ironie, seine satirische Zivilisationskritik, seine humorvollen Schilderungen des Volkslebens und sein bezauberndes Wortspiel haben ihm Leser auf der ganzen Welt eingebracht.

Knut Hamsun starb am 19. Februar 1952 in seinem Haus Nørholm bei Grimstad.

Vorherige
Vorherige

LANDWIRTSCHAFT

Nächste
Nächste

ALFHILD DVERGSDAL: HAMSUNS TRAUM: DIE ERNTE DES FELDES