WEIBLICHER CHARAKTER
Man sollte das Leben wie eine Frau behandeln. Sollte man nicht galant mit dem Leben umgehen und sich von ihm beherrschen lassen? Man sollte sich ergeben und alle Schätze zurücklassen. (Rosa, 1908)
In allen Romanen Hamsuns findet sich eine männliche Erzählperspektive. Dies hindert jedoch nicht daran, dass einige der weiblichen Figuren als faszinierende Charaktere mit eigenen Perspektiven und Meinungen hervortreten. Dennoch schimmert Hamsuns negative Haltung gegenüber Frauenbefreiung und Gleichberechtigung auch in seinen weiblichen Figuren durch.
Hamsun kritisiert die neue Frau, die sich auf Kosten von Kindern und Familie verwirklicht. Er zeichnet ein negatives, aber auch tragisches Bild dieses Frauentyps in den Figuren Hanka in „Neue Erde “ (1893), dem Torsen-Typ in „Das letzte Kapitel “ (1923) und Lili in „Der Ring ist vorbei“ (1896).
Das Frauenideal in Hamsuns Werken ist die aufopfernde Frau, die sich ihrem Mann unterordnet, Mutter ist und den Mittelpunkt der Familie bildet. Inger in Markens grøde (1920) ist das eindrucksvollste Beispiel für eine solche Frauenfigur.