ZEIT
Bjørnson war sich seiner Vergänglichkeit bewusst: Die Zeit holt alles! Haben wir anderen da noch etwas zu sagen? Ich für meinen Teil sitze hier, mache mir Notizen und kritzele über eine abgebrannte Holzvilla und denke über diese Angelegenheit nach. Auf dem nächsten Bauernhof läuft ein kleiner Hund hin und her, und ich sehe, dass er mich anbellt, aber er stört mich nicht. Ich habe Frieden, mein Geist ist klar und mein Gewissen rein. Ich erhalte Briefe, die noch in alle Ewigkeit gelesen werden, sogar die Jøssingers rühmen sich meiner. So sei es mit dieser Güte. Aber nur wenige Dinge währen ewig, die Zeit holt alles, die Zeit holt alles und jeden. Ich verliere einen kleinen Namen in der Welt, ein Bild, eine Büste, es wäre kaum ein Reiterstandbild gewesen. (Auf überwucherten Pfaden, 1949)
Die Zeit wird sowohl als Thema und Motiv als auch als Erzählstrategie eingesetzt.
Mehrere Gedichte aus „Det vilde Kor“ (1904) thematisieren die Vergänglichkeit der Zeit, darunter „Om Hundrede Aar er alting glemt“ (In hundert Jahren ist alles vergessen) und „Høstdag“ (Herbsttag). Auch in „På jengrodde stier“ (Auf überwucherten Pfaden) reflektiert Hamsun über Vergänglichkeit und Ewigkeit. In „Landstrykere“ (1927) tritt der jüdische Glockenmacher Papst auf, und in „Markens grøde“ (1917) bringt Isak schließlich eine Glocke mit nach Sellanraa. Die Glocke symbolisiert das Vergehen der Zeit und die Vergänglichkeit der Dinge, ist aber zugleich Sinnbild einer neuen Ära.
Erzähltechnisch experimentiert Hamsun in seinen Romanen mit dem Aspekt der Zeit, indem er einen allwissenden Erzähler einsetzt, der dennoch auf der Handlungsebene die Illusion derselben Unwissenheit wie die Figuren erzeugt. In „Der Hunger“ (1890) und Pan (1894) Die Erzählhandlung ist retrospektiv, das heißt, die Ich-Erzähler schreiben die Geschichte erst auf, nachdem die geschilderten Ereignisse stattgefunden haben.