DER ORIENT

Die Orientalen scheinen mir von hoher ethischer Weisheit zu sein. Sie waren seit alters her glücklich und zufrieden mit ihrem Leben, sie lächelten über die rastlosen Eskapaden der Okzidenten und senkten in besinnlicher Ruhe die Häupter; sie hatten genug von sich selbst. („Festina lente“, 1928)

Um die Jahreswende 1898/1899 unternahm Hamsun zusammen mit seiner damaligen Frau Bergljot Göpfert eine Reise durch Finnland, über Russland in die Türkei. Die Reise dauerte sechs Wochen, und die Eindrücke wurden in dem humorvollen Reisebericht „Im Wunderland. Erlebnisse und Träume im Kaukasus “ (1903) gesammelt und veröffentlicht.

Hamsun war fasziniert von der orientalischen Kultur und ihren Werten. Er entdeckte Ähnlichkeiten zwischen seiner bäuerlichen Kindheit und dem exotischen Osten.

Für Hamsun verkörperte der Orient besinnliche Ruhe, Fatalismus und Harmonie, wie sie in dem Gedicht „Skjærgårdsø“ und dem Artikel „Festina lente“ zum Ausdruck kommen. In dem Theaterstück „Königin Tamara“ (1903) ist die Handlung von der georgischen Geschichte inspiriert, mit der Hamsun während seiner Reise in den Kaukasus in Berührung gekommen war.

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