LITERATUR
Jeder Dichter weiß, dass Poesie unter dem Einfluss einer mehr oder weniger starken Stimmung entsteht. Ein Klang summt in dir, Farben erscheinen vor deinen Augen, du spürst ein inneres Kribbeln. („Brief an einen deutschen Übersetzer“, 1908)
Hamsuns Gedanken zur Literatur kommen am deutlichsten in dem Artikel „Fra det ubevsste sjeleliv“ (1890) und in den Vorlesungen über moderne Literatur ab 1891 zum Ausdruck. Besonders hart kritisiert er Ibsens Figuren, die er als „dramatisierte Trivialliteratur“ bezeichnet. Hamsun plädiert dafür, den inneren, spirituellen Zuständen der Figuren mehr Aufmerksamkeit zu schenken und Herkunft und Umwelt weniger.
Diese Gedanken fanden in „Hunger“ (1890) künstlerischen Ausdruck. In seinen anderen Schriften behandelt Hamsun in mehreren Artikeln literarische Themen, darunter in den Dichterporträts von Strindberg und Bjørnson. Auch Gedanken über sein eigenes literarisches Schaffen kommen zum Ausdruck, etwa im „Brief an einen deutschen Übersetzer“ (1908). In „På jengrodde stier“ (1949) kommentiert der anonyme Ich-Erzähler den künstlerischen Prozess, der das Buch umgab.