CHRISTIANA
Er wusste, dass er seine große Gemeinde in der Stadt hatte, Kristiania konnte ohne ihn nicht existieren, dort war er in seinem Element! Was spielte es da schon für eine Rolle, dass ein paar Trøndere oder eine Handvoll Totninger seine Zeitschrift verließen? Stattdessen kamen andere Leser, Menschen, deren tiefste politische Überzeugungen er durch seinen Sinneswandel gerade erst beeinflusst hatte. Ja, er hatte schon größere Stürme überstanden. Und er befragte Leporello täglich nach der Haltung der Stadt zu den jeweiligen Themen: Aber was denkt die Stadt? Was sagen sie in Grand? (Redakteur Lynge, 1893)
Kristiania war bis 1924 der Name der Hauptstadt Norwegens. Hamsun verlegte die Handlung dreier seiner Romane nach Kristiania, nämlich Hunger (1890), Editor Lynge und New Earth (beide 1893).
Kristiania verkörpert die Großstadt im Werk des Autors, und insbesondere in „Hunger“ stellt die Verwendung der Großstadt eine Verbindung zwischen dem Roman und der Moderne her. In den beiden anderen Romanen ist die Verwendung Kristianias eher Teil des Bestrebens, richtungsweisende Literatur mit wiedererkennbaren Figuren und einem nachvollziehbaren Umfeld zu schaffen.
Hamsun hatte ein ambivalentes Verhältnis zu Kristiania, oder Oslo, wie die Stadt ab 1925 hieß. Abgesehen von einem längeren Aufenthalt von November 1926 bis April 1927, in dem sich das Ehepaar Hamsun einer Psychoanalyse unterzog, lebte Knut Hamsun nie länger als für kurze Zeit in Oslo.