AUF ZUGEWACHSENEN WEGEN

„Es ist das Jahr 1945. Am 26. Mai kam der Polizeichef von Arendal nach Nørholm und ordnete für meine Frau und mich 30 Tage Hausarrest an. Ich wurde nicht benachrichtigt. Meine Frau händigte ihm auf Verlangen meine Schusswaffen aus. Anschließend musste ich dem Polizeichef schreiben, dass ich auch noch zwei große Pistolen von den letzten Olympischen Spielen in Paris besäße, die er jederzeit abholen könne. Gleichzeitig schrieb ich, dass der Hausarrest nicht wörtlich zu nehmen sei; ich bewirtschaftete einen Bauernhof weit entfernt vom Hof, der einer Überwachung bedürfe. Nach einiger Zeit kam der Gerichtsvollzieher aus Eide und holte die beiden Pistolen ab.“

1949

Auf überwucherten Pfaden“ (1949) entstand, während der 90-jährige Hamsun wegen angeblichen Hochverrats auf seinen Prozess wartete. Das Buch wird als Genre-Hybrid beschrieben, eine Mischung aus Autobiografie und Fiktion.

Hamsun schildert in der Ich-Form die Ereignisse von seiner Verhaftung im Mai 1945 bis zum Urteil im Juni 1948. Er beschreibt Begegnungen mit Menschen, Kindheitserinnerungen, Launen, Gedanken und Reflexionen über seine aktuelle Lage. Besonders interessant ist Hamsuns Schilderung seiner Begegnungen mit Martin aus Kløttran, einer vermeintlich fiktiven Figur und Hamsuns letzter flüchtiger Bekanntschaft.

On Overgrown Paths gelang es, Hamsuns Diagnose „dauerhaft beeinträchtigte geistige Fähigkeiten“ subtil zu diskreditieren.

Vorherige
Vorherige

ALFHILD DVERGSDAL: HAMSUNS TRAUM: DIE ERNTE DES FELDES

Nächste
Nächste

ARTIKEL 1889–1928