DIE FRAUEN AN DER WASSERPUMPE
„Die Leute aus den Großstädten haben kein Gespür für die Dimensionen kleiner Städte. Sie glauben, sie könnten hierherkommen, auf dem Marktplatz stehen, lächeln und sich überlegen fühlen, sie könnten über die Häuser und das Pflaster lachen, das sagen sie immer wieder. Aber erinnern sich die älteren Leute in der Kleinstadt nicht daran, als die Häuser noch kleiner und das Pflaster schlechter war als heute? Sie haben miterlebt, wie sich die Stadt weiterentwickelt hat. Und zumindest C.A. Johnsen hat dort ein riesiges Haus, Johnsen auf dem Pier, ein schlichtes Gebäude mit einer Veranda im Erdgeschoss und einem Balkon im Obergeschoss, und das Dach ist rundum mit Schnitzereien verziert.“
1920
Unmittelbar nachdem Hamsun die Arbeit an „Die Ernte des Feldes“ abgeschlossen hatte, begann er mit dem Schreiben von „Die Frauen an der Gießkanne“ (1920). Die beiden Romane unterscheiden sich radikal in Stil und Ton, eint aber eine Skepsis gegenüber der modernen Gesellschaft.
Die Hauptfigur Oliver Andersen verliert bei einem Arbeitsunfall einen Fuß und die Hälfte seines Unterleibs. Aufgrund seiner körperlichen Beeinträchtigungen ist er nicht in der Lage, am normalen Familien- und Gesellschaftsleben teilzunehmen. Doch auf subtile Weise tragen die Untreue seiner Frau Petra und die darauffolgenden Geburten sowie Olivers eigene Eierraubzüge auf den Inseln dazu bei, dass er Erlösung und neuen Mut findet.
Olivers oberflächliches und bisweilen komisches Leben basiert auf seinem Lebenswillen und seinem Mut, was ihn zu einem tragikomischen Helden macht. Die Notwendigkeit von Neugier und Selbsttäuschung schwingt auch im Romantitel mit.
„Also alle Kunst? Alle Kunst. Aber kein schlechtes Kunstwerk.“
„Ach, der kleine Ameisenhaufen! Alle Menschen sind mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt, sie kreuzen einander, sie schubsen einander beiseite, manchmal steigen sie übereinander. Es kann nicht anders sein, manchmal steigen sie übereinander.“