AUS DEM GEISTLICHEN LEBEN DES MODERNEN AMERIKA
„Das Erste, was einem reisemüden Fremden in Amerika auffällt und ihn schwindlig macht, ist natürlich der Lärm, die Unruhe, das geschäftige Treiben auf den Straßen, die ungestüme, kühne Eile, mit der alles abläuft. Landet er im Sommer in New York, wird er sich auch etwas wundern, Herren ohne Jackett, ohne Weste, nur mit Hosenträgern über dem Hemd, zu sehen, die mit ihrer seidenbekleideten Dame unter dem Arm durch die Straßen flanieren. Das macht sofort einen seltsamen, einen unbeschwerten Eindruck; die schwarze Etikette hat etwas Eileiges an sich.“
1889
„Aus dem geistlichen Leben des modernen Amerika“ (1889) war ein Auftragswerk von Hamsuns Verleger Philipsen. Nachdem der Verleger Hamsun über dessen Amerikabild – das sich stark von der vorherrschenden Auffassung von Amerika als der Gesellschaft der Zukunft unterschied – hatte sprechen hören, erkannte er darin das Potenzial für ein kontroverses und zugleich verkaufsstarkes Werk.
Hamsun verfasste das Buch innerhalb weniger Monate. Dies war möglich, da es auf früheren Vorlesungen basierte und ohne Quellenangaben auskam. In dem Buch äußert sich Hamsun kritisch und polemisch zu Politik, Sprache, Frauenfragen und dem amerikanischen Kulturleben im Allgemeinen.
Hamsun äußerte sich später abfällig über das Werk und nannte es „kindisch“.