VICTORIA

Der Müllerssohn ging nachdenklich umher. Er war ein kräftiger Junge von vierzehn Jahren, braun gebrannt von Sonne und Wind und voller Ideen. Wenn er groß war, wollte er Heiratsvermittler werden. Es war so verlockend gefährlich, dass er sich Schwefel an die Finger schmieren konnte, sodass ihn niemand zu grüßen wagte. Unter seinen Kameraden würde er für sein außergewöhnliches handwerkliches Geschick hoch angesehen sein.

1898

Victoria (1898) ist Hamsuns „Lied der Liebe“.

Der Roman erzählt die Geschichte von Johannes, dem Müllerssohn, der seit seiner Jugend Victoria, die Tochter des Gutsbesitzers, liebt. Johannes reist in die Stadt, um dort zur Schule zu gehen, und veröffentlicht seine ersten Gedichte. Inzwischen gerät der Gutsbesitzer in finanzielle Schwierigkeiten, und Victoria verlobt sich mit Otto, dem Sohn eines wohlhabenden Kammerherrn, um ihren Vater zu retten. Nach langer Zeit und einigen Komplikationen erhalten Johannes und Victoria endlich die Gelegenheit, zusammen zu sein. Doch der Roman endet tragisch mit Victorias Tod an Tuberkulose im Alter von 23 Jahren.

Die einfache Handlung wird durch raffinierte Erzählstrategien und eine lyrische Sprache getragen, und der Roman wurde als Meisterwerk des europäischen Impressionismus bezeichnet.

„Fragt man jemanden, was Liebe ist, so lautet die Antwort: nichts weiter als ein Windhauch, der durch die Rosen weht und dann wieder abebbt. Doch oft ist sie auch ein unzerbrechliches Siegel, das ein Leben lang hält, bis zum Tod.“

„Und die Liebe wurde der Ursprung der Welt und die Herrscherin der Welt; aber alle ihre Wege sind voll von Blumen und Blut, Blumen und Blut.“

„Er küsste einen Mund, und da war es, als ob sich zwei Lichter in seinem Herzen begegneten, eine Sonne, die gegen einen Stern aufblitzte. Er sank in eine Umarmung, und dann hörte und sah er nichts mehr auf der ganzen Welt.“

Vorherige
Vorherige

DER MÖNCH DREHT SICH

Nächste
Nächste

ABENDROT